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Ich hab einen Termin mit mir

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V6

(Intro) (Bass und Drums setzen ein) Ich hab heute einen Termin. Mit mir. Um halb drei. Ich hoffe, ich komme. (Strophe 1) Ich stand heute früh im Bad und sah mich im Spiegel an. Mein Spiegel sagte: „Wir müssen reden.“ Ich sagte: „Wann?“ Er sagte: „Später.“ Ich fragte: „Wie viel später?“ Er sagte: „Halb drei.“ Das wurde langsam unheimlich. Beim Frühstück lag mein Kalender offen auf dem Tisch. Da stand ganz fett geschrieben: „15:30 Uhr: Wichtiger Termin.“ Darunter: „Anwesenheit erforderlich.“ (Refrain) Ich hab einen Termin mit mir, und ich weiß nicht, was ich sagen soll. Vielleicht komm ich einfach pünktlich, dann läuft es wenigstens schon mal toll. Ich hab einen Termin mit mir, und der Kalender bleibt ganz stur. Wenn ich mich selber treffen muss, wer von uns beiden kommt zuerst zur Tür? Ich hab einen Termin mit mir. Das wird bestimmt interessant. (Strophe 2) Um halb drei saß ich im Café. Ich wartete auf mich. Zehn Minuten später kam ich zur Tür herein. Ich sah mich an. Ich sah mich an. Dann sagte ich: „Du bist spät.“ Ich sagte: „Du bist früh.“ Wir setzten uns zusammen und bestellten beide Kaffee. Der Kellner fragte: „Getrennt oder zusammen?“ Wir sagten gleichzeitig: „Zusammen.“ Dann sahen wir uns an. Das war unangenehm. (Pre-Chorus) Ich fragte mich: „Was willst du eigentlich von mir?“ Ich sagte: „Das wollte ich dich gerade fragen.“ Wir waren uns sofort einig. Das machte es nicht besser. (Refrain) Ich hab einen Termin mit mir, und ich weiß nicht, was ich sagen soll. Vielleicht kennen wir uns einfach zu gut, vielleicht ist genau das unser Problem. Ich hab einen Termin mit mir, und plötzlich wird mir sonnenklar: Man kann vor sich selber weglaufen, aber man kommt trotzdem an. Ich hab einen Termin mit mir. Und keiner kann ihn absagen. (Rap) Also pass auf, ich erklär dir das jetzt ganz genau, denn die Sache wird langsam wirklich ziemlich schlau. Ich sitz mir gegenüber, mein Gegenüber bin ich, er bestellt noch einen Espresso und verdächtigt mich. Ich frag: „Warum bist du hier?“ Er sagt: „Wegen dir.“ Ich sag: „Das ist keine Antwort.“ Er sagt: „Doch, nur keine gute.“ Dann holt er einen Zettel raus, liest ihn langsam vor: „Punkt eins: Du solltest weniger Dinge planen.“ Ich sag: „Das hast du geplant.“ Er sagt: „Ich weiß.“ Punkt zwei: „Du solltest öfter Nein sagen.“ Ich sag: „Nein.“ Er sagt: „Sehr gut.“ Punkt drei: „Du solltest dir selbst mehr zuhören.“ Ich sag: „Mach ich doch.“ Er sagt: „Nein. Du hörst nur darauf, was du selber sagst.“ Da war ich kurz sprachlos. Was ziemlich schwierig ist, wenn man mit sich selber diskutiert. (Bass Break) (Bridge) Dann wurde es still. Wir tranken unseren Kaffee aus. Ich fragte: „Und jetzt?“ Er sagte: „Jetzt gehen wir.“ Ich fragte: „Wohin?“ Er sagte: „Nach Hause.“ Ich sagte: „Das ist lustig.“ Er sagte: „Warum?“ Ich sagte: „Weil wir beide da schon wohnen.“ (Rhodes Piano Solo) (Final Chorus) Ich hab einen Termin mit mir, und vielleicht war das gar nicht schlecht. Manchmal braucht man einen zweiten, der einem sagt, was man selber längst schon checkt. Ich hab einen Termin mit mir, und jetzt weiß ich immerhin: Wenn ich mich selbst mal wieder suche, weiß ich wenigstens, wo ich bin. Ich hab einen Termin mit mir. Den nächsten mach ich früher. (Backing Chorus) Termin mit mir! Termin mit mir! Ich komm pünktlich! (Final Groove) Ich hab einen Termin mit mir, ich hab einen Termin mit mir, ich hab einen Termin mit mir— Und diesmal komme ich zu spät. (Outro) Mein Spiegel schaut mich an. Er sagt: „Halb drei morgen?“ Ich sage: „Keine Chance.“ Er sagt: „Gut.“ „Dann sehen wir uns um drei.“