Song Cover Image

Wenn die Engel schweigen

V6-WILD

[Intro] Wer hat die Schuld in Stein gemeißelt? Wer hat bestimmt, was Sünde heißt? Wer gab dem Richter seine Waage? Wer prüft die Hand, die auf sie weist? [Verse] Vor jedem Altar kniet irgendwann ein Mensch, der sich nicht retten kann. Er zählt die Fehler, nennt sie beim Namen, und hofft auf Gnade für sein Versagen. Doch über ihm wacht eine Ordnung, die keinen Irrtum eingesteht. Und unter ihm wartet die Freiheit, die erst nimmt, bevor sie gibt. [Pre-Chorus] Sprich das Bekenntnis. Nenne die Schuld. Wer aber vergibt dem Richter? [Chorus] Wenn die Engel schweigen, wer spricht dann Recht? Wer teilt ein in gut und schlecht? Gibt es eine Maßeinheit, mit der man Sünden misst? Und wer entscheidet, wer schuldig ist? Wenn die Engel schweigen, bleibt eine Frage besteh'n: Kann Gnade noch Gnade sein, wenn wir sie erfleh'n? Wer vergibt? Wer vergibt? Wer vergibt dem Richter? [Verse] Die Hölle kennt jedes Wort, das du bereust, jeden Schwur, den du brichst, jede Wahrheit, die du scheust. Sie verlangt keine Liebe, sie verlangt keinen Eid, nur den Preis deiner Hoffnung, bezahlt mit der Zeit. Sie sagt nicht, du seist böse, sie sagt, du bist frei, und erklärt jeden Abgrund zum Beweis deiner Wahl. Sie verkauft dir die Ketten als selbst gewählten Schmuck und blendet deinen Blick, ein ums andere Mal. [Pre-Chorus] Was ist eine Freiheit, die alles verlangt? Was taugt eine Gnade, die Angst vor dir hat? Wer spricht die Wahrheit, wenn beide sie beanspruchen Wer urteilt über das Urteil selbst? [Chorus] Wenn die Engel schweigen, wer spricht dann Recht? Wer nennt sich gerecht, wer erklärt uns für schlecht? Der Himmel verlangt, dass die Seele sich beugt, die Hölle behauptet, dass Egoismus Freiheit bezeugt. Wenn die Engel schweigen, wird offenbar, wie teuer und trügerisch die Hoffnung war. Zwischen Vergebung und ewiger Schuld bleibt der Mensch sich selbst überlassen, mit seiner Geduld. Kein Wort ist unschuldig. Kein Urteil ist rein. Wer richtet die Macht? Kann man selbst Richter sein? [Verse] Ich kenne die Knie, die den Boden berühren, die Lippen, die beten, um nichts zu verlieren. Ich kenne das Schweigen nach einem Gebet, wenn niemand antwortet und niemand versteht. Von Sünde spricht man manchmal als Falle, doch ein Urteil ist nicht immer Wahrheit für alle. Vergebung ist mehr als ein Wort, das man nur denen gewährt, die sich fügen vor Ort. [Bridge] Ich bringe keine Krone. Ich fordere keinen Thron. Ich stehe vor euren Schwellen und lache euch ins Gesicht. Wer darf vergeben? Wer darf verdammen? Wer hält die Waage? Wer schürt die Flammen? Nicht jede Schuld wird durch Strafe geringer. Nicht jedes Gebet macht den Menschen reiner. Und wer sich zum Richter über alle erhebt, muss wissen, nach welchen Gesetzen er lebt. [Pre-Chorus] Die Frage bleibt offen, der Widerhall wächst. Kein Mensch kann erfassen, was man ihm nicht erklärt. Die Stimmen verstummen, die Antworten bleiben aus. Und niemand verlässt diesen Ort wie zuvor. Genau das ist es, was das Leben erschwert. [Final-Chorus] Wenn die Engel schweigen, wie bleibt es gerecht? Es gibt so viele Nuancen zwischen gut und schlecht. Alles zahlt auf das Seelenkonto ein, doch niemand wird immer frei von Schuld sein. Wenn die Engel schweigen, hört die Ewigkeit zu. Kein Urteil bringt Wahrheit, kein Befehl schenkt wahre Ruh. Denn wer über Seelen das letzte Wort spricht, muss selbst vor der Wahrheit bestehen im letzten Gericht. Wer vergibt? Wer vergibt? Wer vergibt dem Richter? Wer prüft das Gericht? Wer vergibt dem Richter? [Outro] Kein Gebet erklingt. Kein Urteil fällt. Die Waage bleibt unbewegt. Und in der Stille steht eine Frage, die älter ist als jedes Gesetz. Wer vergibt dem Richter? Wer vergibt ... dem Recht?