[Intro – leise, fast gesprochen] Ich erschaffe Welten. Nicht, weil mir diese hier nicht genügt. Sondern weil ich sie verstehen will. Ich nehme, was ist, zerlege, was scheint, verbinde, was trennt, und überzeichne die Linien. Bis etwas sichtbar wird, das vorher im Ganzen verschwand. [Verse 1 – kontrollierter Spoken Word] Ich bau aus Gedanken ein künstliches Land, zieh Grenzen mit Fragen, mit Zweifel als Wand. Mach groß, was verborgen im Kleinen besteht, bis selbst der Betrachter die Muster versteht. Ich karikiere die Wirklichkeit, verzerre die Form und verdichte die Zeit. Denn manchmal muss etwas erst anders erscheinen, um unter der Oberfläche das Wahre zu zeigen. Doch meine Modelle sind niemals das Ganze, nur Ausschnitte im flackernden Lichte der Lampe. Ein Spiegel, der manches verzerrt und enthüllt, ein Rahmen, der ordnet, doch niemals ganz füllt. Ich bin nicht der Schöpfer von allem, was ist. Ich bau nur ein Fenster, durch das du es siehst. [Refrain – melodisch, eindringlich] Ich bau mir Welten, um diese zu sehen, geh durch ihre Tore, um mich zu verstehen. Ich such meinen Platz zwischen Möglichkeit und Sein, und passe nicht immer in die Ordnung hinein. Ich bin nicht die Welt, die ich denkend erschaffe. Nicht jede Erkenntnis ist Wahrheit, nicht jede Kraft eine Waffe. Ich bau, ich betrete, verwerfe, begreif – und lass meine Antwort für neue Fragen reif. [Verse 2 – dichter, zunehmend intensiv] Doch ich bleib nicht draußen und prüfe das Land. Ich setze mich selbst in die Welt, die ich spann. Ich gebe mir Rollen, Bedingungen, Grenzen, lass andere Kräfte an meinen Gewissheiten kratzen. Was wäre ich dort? Was würde ich tun? Wem würde ich folgen? Wann ließe ich ruhn? Wo läge mein Fehler? Wo wäre ich stark? Was bliebe von mir in der dunkelsten Nacht? Ich prüfe mein Handeln im gedanklichen Raum, zerlege mein Selbstbild, verändere den Bau. Denn wer nur betrachtet, bleibt außen am Rand. Ich will auch erfahren, was ich darin fand. Mal bin ich der Richter, mal stehe ich vor ihm. Mal suche ich Antworten, mal muss ich vor ihnen fliehn. Mal halte ich Ordnung, mal brech ich sie auf. Und manchmal zeigt mir erst mein Scheitern den Lauf. [Zwischenspiel – Stimme verzerrt, langsam] Eine Welt ist ein Modell. Ein Modell ist eine Auswahl. Eine Auswahl zeigt etwas. Und lässt anderes draußen. Was ich nicht sehe, ist deshalb nicht verschwunden. Was ich erkenne, ist deshalb nicht bewiesen. Und was ich heute für richtig halte, darf morgen an der Wirklichkeit zerbrechen. [Verse 3 – ruhiger, nachdenklicher] Ich trage die Welten zurück in das Leben, prüfe, was sie mir und den anderen geben. Was trägt in der Praxis? Was hält nur im Kopf? Was öffnet die Türen? Was bleibt nur ein Schloss? Denn Gedanken sind Werkzeuge, keine Throne aus Stein. Ich darf ihnen vertrauen und doch fehlbar sein. Ich darf etwas wagen und Zweifel erlauben, muss nicht jede Vermutung zur Wahrheit erheben. Und wenn eine Welt an der Wirklichkeit bricht, dann verliere ich nicht automatisch mich. Vielleicht war die Schablone zu eng oder klein. Vielleicht muss ich lernen, noch einmal zu zeichnen. Ich bin nicht nur das, was ich gestern gedacht. Nicht nur die Rolle, die mich zu dem machte, der heute hier steht und die Fragen noch stellt. Ich bin auch der Reisende zwischen den Welten. [Refrain – größer, mit mehr Druck] Ich bau mir Welten, um diese zu sehen, geh durch ihre Tore, um mich zu verstehen. Ich such meinen Platz zwischen Möglichkeit und Sein, und passe nicht immer in die Ordnung hinein. Ich bin nicht die Welt, die ich denkend erschaffe. Nicht jede Erkenntnis ist Wahrheit, nicht jede Kraft eine Waffe. Ich bau, ich betrete, verwerfe, begreif – und lass meine Antwort für neue Fragen reif. [Bridge – langsam, fast feierlich] Vielleicht braucht jeder Mensch seine eigene Karte, um nicht zu verlieren, wonach er noch fragte. Vielleicht braucht es Bilder, Geschichten und Räume, um sichtbar zu machen, was sonst nur ein Keim bleibt. Doch keine Karte ersetzt den Boden. Kein Kompass entscheidet den Weg. Und kein Gedanke kann mir versprechen, dass die Wirklichkeit nach meinen Regeln lebt. Ich darf mich verirren. Ich darf mich korrigieren. Ich darf etwas erschaffen und es wieder verlieren. Denn nicht jede Welt muss für immer bestehen. Manche sind Brücken, um weiterzugehen. [Finale – erst leise, dann kraftvoll] Ich erschaffe Welten, doch ich gehöre nicht ihnen allein. Ich suche nach Ordnung, doch die Welt darf auch ungeordnet sein. Ich suche nach Wahrheit, doch ich muss nicht alles wissen. Ich suche nach meinem Platz, ohne die Welt auf meinen Platz zu begrenzen. [Letzter Refrain – reduziert, fast nur Stimme] Ich bau mir Welten, um diese zu sehen. Ich geh durch sie hindurch, um mich zu verstehen. Ich bin nicht die Antwort. Ich bin auch die Frage. Und jede neue Welt ist ein Versuch, die Wirklichkeit besser zu begreifen. [Outro – leise, trocken] Die Welt ist