Gut gestylt, vermögend, satt – mutiert man leicht zum Lehrer. Aus dem Lehrer wird man schneller auch mal zum Bekehrer. Gute Schule, Uni, Job – später die Karriere, man bewegt sich in der Regel doch in der gleichen Sphäre. Arroganz entsteht sehr schnell, wenn die Welt da draußen abgeschottet, abgelehnt wird – nicht an sich gelassen. Extrawürste hier und da – machen’s leichter eben, mit dem Finger auf die Anderen, das ist deren Leben. Arroganz und Besserwissen ist jetzt weit verbreitet, und was das Allerschlimmste ist, dass jeder dies bestreitet. Jeder fühlt sich informiert, exklusiv belesen, doch die meisten merken nicht: Es sind nur fremde Thesen. Fakten zählen längst nicht mehr, wo sind sie geblieben? Heutzutage gibt’s dazu nur Alternativen. Keine Gnade, kein Pardon – jeder ist ein Apostel, um dagegen anzukommen, brauchst du Fell aus Roststahl. Merk dir eins: Du bist kein Held, wenn du ständig stichelst, wenn du Meinung von den Andern einfach in den Wind schießt. Und wenn du denkst, dass du die Weisheit einfach aus dem Eimer frisst, prüf doch mal, mit welchem Bullshit du hier an die Leute trittst. Empathie ist keine Schwäche, gib dir einen Ruck. Dein Puls schießt jetzt schon durch die Decke, sei doch mal nicht so verrückt. Zugang zum Netz, doch das Denken bleibt statisch, du liest nur, was dir genehm – der Rest ist problematisch. Algorithmen steuern dich – du hängst in der Infoblase, tust mir leid, du hast gelernt, einfach fremde Meinung hassen. Man bekommt alles zurück, habe kein Bedenken. Das Leben strebt nach einem Ausgleich, sei es zum Verrecken. Man wandelt über fremde Pfade, doch sieht nur seine Ausgangslage. Empathie? Ein leeres Wort, verhallt in seinem Denk-Resort. Die Stimmen, die von Seiten klingen, werden nicht den Anklang bringen. Zu laut ist dort das eig’ne Lied, das von sich selbst zum Himmel stinkt. Man zählt den Wert in Titeln, Zahlen, vergisst dabei das Menschlich-Nahe. Was keinen Glanz hat, wird entkernt – denn nur das Gleiche hört man gern. Doch irgendwann, da splittert’s doch – der Zacken bricht an eig’ner Krone. Wie im Ring trifft’s unverhofft – ein linker Haken wirft zu Boden. Dann stürzt auch der, der ewig thront, realitätsverdutzt, erbost, bald landet er auf hartem Grund ganz ohne Glanz – und ehrenlos.


