
Am See wird es langsam still. Der Abend fällt ins Wasser. Vier Menschen kommen hierher und drei davon tragen etwas mit sich. [Verse 1 – Lena] Lena sitzt unter der Weide, ein alter Brief in ihrer Hand. Sie hat ihn sieben Jahre aufgehoben, obwohl sie ihn längst verbrennen wollte. Ein Name steht auf dem Papier. Darunter nur ein Satz: „Ich habe gewartet.“ [Verse 2 – David] David sitzt auf einer Bank und schaut hinaus auf den See. Er wartet auf seinen Vater, der wieder nicht kommt. Er schaut auf die Uhr und legt die Jacke neben sich. „Ich bin stolz auf dich“ sagte sein Vater ihm zuletzt in dieser Jacke, die nun längst zu klein ist. [Chorus] Und der See trägt alles weiter, was wir nicht sagen können. Jeden Abschied, jede Hoffnung, jeden Namen, den wir kennen. Wir stehen so nah beieinander und wissen nichts voneinander. Vielleicht reicht ein Augenblick, damit sich etwas verändert. [Verse 3 – Mila] Mila kommt weinend mit ihrem Fahrrad. Am Handgelenk ein rotes Band: „Damit du wieder nach Hause findest.“ Wozu soll sie jetzt noch bleiben? Sie zieht am Band. Der Faden reißt. Das Band fällt in den See. [bridge – Tom] Tom sitzt am Ende des Stegs, wie jeden Abend seit fünf Jahren. Neben ihm steht eine zweite Tasse, zu der bislang niemand kam. Er hört Mila weinen. „Warte.“ Er geht ins Wasser, holt das rote Band zurück und gibt es ihr. „Deine Schwester wartet bestimmt.“ Mila fragt: „Woher wissen Sie das?“ Tom lächelt. „Menschen machen keine Bänder, wenn sie jemanden verlieren wollen.“ [Chorus – größer] Und der See trägt alles weiter, was wir nicht sagen können. Jeden Abschied, jede Hoffnung, jeden Namen, den wir kennen. Vielleicht reicht ein Augenblick, damit ein Leben anders weitergeht. [verse 4] Mila kommt an Davids Bank vorbei. „Schönes Band.“ „Meine Schwester hat es gemacht.“ David sieht auf das Handy des Mädchens. „Dann ruf sie an.“ „Was soll ich sagen?“ David schaut auf den See. „Dass du nach Hause kommst.“ Mila nickt und tippt die Nummer. [Verse 5 – Lena] Unter der Weide hält Lena den Brief. Ihr Telefon klingelt. Lena sieht vom Brief auf und erblickt David. Sie erkennt ihn. Den Brief vergessend läuft sie zu ihm. Und dann sieht sie neben ihm Mila, mit dem Handy in der Hand. [Final Chorus – emotional, groß] Und der See trägt alles weiter, doch nicht alles muss verschwinden. Manche Dinge bleiben bei uns, bis wir den Mut zum Loslassen finden. Ein rotes Band. Ein alter Brief. Eine Jacke, viel zu klein. Drei Menschen gehen nach Hause, und einer lässt etwas los. Wir stehen so nah beieinander und wissen nichts voneinander. Doch manchmal reicht ein Augenblick, damit ein Leben anders weitergeht. [Outro – sehr ruhig] Mila fährt voran, auf dem Weg nach Hause. David nimmt seine alte Jacke. Lenas Brief schaut sich der Wind an: „Für Michael“ liest er und weht ihn fort. Tom hört Schritte hinter sich. Michael steht am Ufer und schaut über den See, wo noch drei Lichter hinter den Bäumen verblassen, wo seine drei Kinder gerade gegangen sind. Tom löscht die Laterne, Michael wendet sich ihm zu. Tom stellt die zweite Tasse neben ihn. „Du bist spät.“ Michael antwortet leise: „Ich weiß.“ Tom schaut auf den See. „Sie haben gewartet.“ Michael senkt den Blick. „Ich auch.“ [Outro – Instrumental, sehr leise] Der See wird still.

